Wittgenstein. (mb) Musikschulen stehen überall vor großen Herausforderungen. Lehrpersonal zu finden gestaltet sich teilweise als schwierig und auch der Unterricht muss in Zeiten steigender Preise teurer werden. Besonders nachdem in 2022 das Bundessozialgericht entschieden hat, dass die Tätigkeit von Musiklehrerinnen und Musiklehrern an einer Musikschule nicht als freiberufliche Tätigkeit sondern als abhängige Beschäftigung gilt und somit sozialversicherungspflichtig ist, werden die Hürden für einige Musikschulen immer größer. Das Festanstellen der Lehrkräfte ist für die oft als Verein aufgebauten Lernorte kaum zu stemmen. „Das Herrenberg-Urteil und die Kulturgesetze hätten unser Aus bedeutet“, fasst es Eike Gücker, Vorsitzender der Bad Berleburger Musikschule zusammen. In Wittgenstein hat man nun jedoch einen Weg gefunden, sicher in die Zukunft zu gehen und weiterhin den Musikschulbetrieb aufrecht zu erhalten.
Mit der Musikschule Wittgenstein werden künftig alle drei Kommunen eine Anlaufstelle für den Instrumental-Unterricht haben. Dazu haben nun die drei Bürgermeister Volker Sonneborn, Dirk Terlinden und Henning Gronau den Kooperationsvertrag zwischen der Musikschule und ihren Kommunen unterzeichnet. Denn diese spielen eine Maßgebliche Rolle in der Finanzierung. Insgesamt werden die Kommunen 200.000 Euro im Jahr in die gemeinsame Musikschule investieren. Zunächst jedoch zahlt die Stadt Bad Berleburg 80.000 Euro, die Gemeinde Erndtebrück 40.000 Euro und die Stadt Bad Laasphe 10.000 Euro.
Derzeit gibt es Musikschulen lediglich in Bad Berleburg und Erndtebrück. Mit der neuen Struktur wird also künftig auch die Stadt Bad Laasphe einen guten Musikunterricht anbieten können. Denn die Wege sollen kurz bleiben. Alle Standorte sollen weiterhin erhalten bleiben und in jeder Kommune soll es möglich sein, Unterricht zu bekommen.
Dass nun eine Musikschule für ganz Wittgenstein an den Start gehen kann ist dabei längst keine Selbstverständlichkeit, wie sowohl die drei Bürgermeister als auch der Vorsitzende der Musikschule Wittgenstein, Eike Gücker, zu berichten wissen. Mit LEADER-Fördermitteln wurde eine von Dr. Simon Moser durchgeführte Studie in Auftrag gegeben, um zunächst herauszufinden, welche Rahmenbedingungen in Wittgenstein gegeben sind. Wo sind Herausforderungen? Wo die Chancen? Mit den Ergebnissen dieser Studie wurden dann die Ratsbeschlüsse in Bad Berleburg, Bad Laasphe und Erndtebrück ziemlich Eindeutig: ohne Gegenstimme stellten sich die Räte hinter die Musikschule Wittgenstein. „Ein hervorragendes Beispiel für interkommunale Zusammenarbeit!“, freute sich etwa Bad Berleburgs Bürgermeister Volker Sonneborn.
Dass die Musikschulen in Wittgenstein nun mit Gewissheit in die Zukunft blicken können, gleicht einem Meilenstein: „Musikalische Bildung wird mit dem heutigen Tag weiterhin groß geschrieben“, betont etwa Erndtebrücks Bürgermeister Henning Gronau. Denn auch Strukturen wie etwa Tambourkorps, Spielmannszüge, Chöre und Orchester sind dringen auf Nachwuchs angewiesen, wie Bad Laasphes Bürgermeister Dirk Terlinden erklärt. Schützenfest, Dorffeste, Konzerte und andere Veranstaltungen, die sich musikalischer Unterstützung bedienen, könnte man sich ohne die Musikerinnen und Musiker kaum vorstellen. Das kann auch Volker Sonneborn unterstreichen, der seit 30 Jahren als Sänger in einem Chor aktiv ist. Umso wichtiger ist nun also die Sicherstellung des Musikunterrichts in Wittgenstein.
Derzeit hat Bad Berleburg etwa 350 Schülerinnen und Schüler, während es in Erndtebrück etwas über 50 Schülerinnen und Schüler sind. Zusammen erreicht die Musikschule Wittgenstein somit Rund 400 Schülerinnen und Schüler. Unterrichtet werden diese von etwa 20 Lehrkräften, die teilweise ohnehin schon an beiden Musikschulen unterrichten.

In der Musikschule in Bad Berleburg werden etwa 350 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. Dank des neuen Modells kann auch in Zukunft hier unterrichtet werden.

Bildunterschrift: Ein Meilenstein für die musikalische Bildung in Wittgenstein: Für die drei wittgensteiner Kommunen sowie die Musikschule Wittgenstein unterzeichnen Volker Sonneborn, Dirk Terlinden, Henning Gronau, Arnd Kassel und Eike Gücker den Kooperationsvertrag (v.l.).

(Fotos: M. Burk | Stand: 01.10.2026, 13:45 Uhr)