Bad Laasphe. Am Samstagvormittag wurde es laut rund um Bad Laasphe: Feuerwehrfahrzeuge, Rettungsdienst, Notarzt und ehrenamtliche Einsatzkräfte eilten zum Schlossberg. Dort, so die Meldung, sei im Bereich der Reithalle des Schloss Wittgenstein ein Bus mit rund 20 Fahrgästen in einer Kurve auf die Seite gestürzt. Es gebe mehrere Verletzte und Personen seien eingeklemmt.

Ein Reisebus liegt am Schloss Wittgenstein auf der Seite – rund 20 Fahrgäste sollen bei dem simulierten Unfall verletzt worden sein.

Genau das war es, was Thomas Tremmel, Kreisbrandmeister des Kreises Siegen-Wittgenstein, am Samstag in einer Übung abbilden wollte: Die Strukturen einer so großen Einsatzstelle und die Zusammenarbeit zwischen Rettungsdienst und Feuerwehr. „Es wurden zwei Stichworte alarmiert. Zum Einen „TH2“, was für eingeklemmte Person steht, und zum Anderen „MANV2“, für den Massenanfall von Verletzten oder Erkrankten“, erklärte er vor Ort. Gerade das letztere Einsatzstichwort stellt die Kräfte vor Herausforderungen, die sie nicht im täglichen Dienst erleben. Dies zeigte sich schon, als der erste Rettungswagen aus Bad Laasphe die Einsatzstelle erreichte. Ein junger Mann spricht die Besatzung sofort an und bittet um Hilfe für seine verletzte Ehefrau. Doch das durften die Helfer diesmal nicht tun. Als erste Aufgabe in einem solchen Massenanfall von Verletzten obliegt dem Team die genaue Sichtung, um einen Überblick zu erhalten, wie viele Menschen genau betroffen sind. Diese müssen grob registriert und erfasst werden, damit später nachvollziehbar bleibt, wer dringend versorgt werden muss, wer etwas mehr Zeit hat, oder wo eine weitere Versorgung aufgrund der Vielzahl an Betroffenen und den schweren Verletzungen keinen Sinn mehr macht. Würde man hier spontan mit einer Versorgung beginnen, wäre dies eine Gefahr für alle weiteren Verletzten, deren Kategorisierung und Priorisierung dann stoppen würde. Nur lebensrettende Sofortmaßnahmen durften die Einsatzkräfte des ersten Fahrzeuges zunächst durchführen. Dazu zählte etwa das Abbinden lebensgefährlicher Extremitätenblutungen mit einem speziellen Toruniquet. Die Verletztendarsteller der DLRG Weidenau machten unterdessen Druck. Sie schrien, weinten, verlangten dem Team alles ab und wollten Versorgungen für ihre Angehörigen oder sich selbst haben. Eine Härteprobe für die erste RTW und NEF Besatzung, die alles richtig machten.

Feuerwehr und Rettungsdienst befreiten die im Bus eingeschlossenen Übungspatienten.

Zuvor hatten die Organisatoren einen alten Reisebus der Firma Diehl auf die Seite gelegt und die Verletzten realitätsnah mit Verletzungen geschminkt. Auch die medizinische Versorgung, die sich nach den Lebensrettenden Sofortmaßnahmen nach Priorisierung anschloss, sollte geübt werden. Dazu waren mehrere Übungsbeobachter vor Ort, die genau auf verschiedene Faktoren achteten. Jeder Patientendarsteller hatte eine Geschichte zu seinem Verletzungsmuster, das entsprechend abgearbeitet werden musste. Die Feuerwehr Bad Laasphe hatte weitere Aufgaben: Es ging darum, Zugang zum Bus zu erhalten: Die ersten Teams konnten lediglich durch ein Dachfenster ein- und aussteigen. Außerdem mussten im Bus eingeklemmte Personen befreit werden, der Brandschutz musste sichergestellt werden und der Rettungsdienst benötigte Unterstützung bei der Versorgung und der Betreuung der Verletzten.

Bei einem Massenanfall von Verletzten besteht zunächst ein Defizit, so dass die rettungsdienstlichen Mittel für eine Individualversorgung nicht ausreichen. Entsprechend der Notrufmeldungen, die von den Darstellern wirklich über den Notruf 112 abgesetzt wurden, hat die Kreisleitstelle entsprechend viele Kräfte alarmiert. Auch in der Leitstelle wusste zunächst niemand etwas von der Übung. Aufgrund der engen Platzverhältnisse an der Einsatzstelle wurden nicht alle Rettungsmittel sofort zur Unfallstelle geschickt, sondern stellten sich zunächst in Bereitstellungsräumen am Schloss Wittgenstein, oder bei der Firma Reifen Hofmann auf – jenachdem, aus welcher Richtung sie kamen. Viele Rettungskräfte erhielten ihren Einsatzbefehl nach Bad Laasphe: Die beiden Rettungswagen und der Notarzt der Bad Laaspher Rettungswache, der Rettungswagen der Wache Erndtebrück, zwei Rettungswagen und der Notarzt aus Bad Berleburg, Rettungswagen und Notarzt aus Netphen, der Rettungswagen aus Hilchenbach und mehrere ehrenamtliche Einheiten aus Wittgenstein und dem Siegerland. Außerdem machte sich der Rettungsbus der VWS und des Kreises Siegen-Wittgenstein auf den Weg. Hierin können weniger schwer verletzte Personen betreut und transportiert werden.

Die Verletztendarsteller der DLRG Weidenau wurden realitätsnah geschminkt und stellten unterschiedliche Verletzungsmuster dar.

Nach nur etwa einer halben Stunde hatten die Einsatzkräfte alle Verletzten aus dem Bus gerettet, sodass die weitere Versorgung an den beiden Patientenablagen außerhalb des Busses stattfand und die Transporte je nach Dringlichkeit durchgeführt wurden. „Die Transporte führen heute alle zum Gerätehaus der Feuerwehr Bad Laasphe“, erklärte Thomas Tremmel. Dort hatte Personal des Kreisklinikums Siegen Position bezogen, um auch realistische Übergaben durch das Rettungspersonal zu erhalten. Neben den Rettungskräften nahmen auch die Polizei und Notfallseelsorger an der Übung teil. Die Polizei sperrte unter anderem den Schlossberg ab, die Notfallseelsorger kümmerten sich um einen jungen Mann, der laut Übungsdrehbuch einen Angehörigen bei dem Unglück verloren hatte.

Neben Feuerwehr und Rettungsdienst waren auch Polizei und Notfallseelsorger beteiligt.

Um während der Übung den regulären Rettungsdienst in Wittgenstein sicherzustellen, hatten die Organisatoren Rettungswagen zur Verstärkung des Regelrettungsdienstes bereitgestellt. Gegen Mittag war die Übung beendet. In einem ersten Resümee zeigte Thomas Tremmel sich zufrieden. Die Details müsse man zunächst auswerten und analysieren, um sie umfangreich nachbesprechen zu können. Auch in der jährlichen Fortbildung des hauptamtlichen Rettungspersonals sollen diese und eine zuvor im Siegerland ähnlich gelagerte Übung intensiv analysiert und neue Erkenntnisse erörtert werden.

Bildunterschrift: Am Samstag übten Rettungsdienste und Feuerwehr den Massenanfall von Verletzten in Bad Laasphe.

(Fotos: M. Böhl | aktualisiert: 22.09.2026, 14:20 Uhr)