Sauerland/Bad Berleburg. „So viele Menschen waren noch nie entlang der Strecken“, stellt Orgachef Peter Göbel nach der fünften AvD-Röhrl-Klassik fest. Und mittendrin: Walter Röhrl. Zusammen mit Christian Geistdörfer – als erstes Fahrzeug morgens gestartet – kam er immer deutlich später, am Freitag sogar nach 170 weiteren Porsche erst kurz vor dem Schlusswagen ins Ziel. An jeder Station, selbst dort, wo eigentlich keine war, musste er aussteigen, Selfies machen und immer wieder Autogramme schreiben. „In allen Orten war die Hölle los und ich kann die Fans ja nicht vor den Kopf stoßen. Ich habe nicht einen getroffen, der auch nur ansatzweise den Eindruck erweckt hat, dass er nicht liebt, was wir hier tun“, fasste der Doppelweltmeister zusammen. Zum Schluss aber sind sich alle einig: Der herausragende Sieger der fünften AvD-Röhrl-Klassik ist das Sauerland.
In drei Tagesetappen, jeweils mit Start und Ziel in Schmallenberg, führte Walter Röhrl den Tross der 174 Porsche-Klassiker durch das Sauerland, das Hochsauerland und das Rothaargebirge. Aber auch Besuche in Hessen und Rheinland-Pfalz standen auf dem Fahrplan. Am Vorabend des ersten Fahr-Tages am Donnerstag trafen sich viele Teams zum Warmup, oder treffender formuliert, zum ‚Dampfgeplauder‘ im Museum „Dampf-Land-Leute“ in Eslohe.
Zu Ehren der besonderen Gäste standen die 15 Maschinen unter Dampf, was ansonsten nur zweimal im Jahr der Fall ist. Mit zwei großen und berühmten Talsperren und dem dritthöchsten Berg des Rothaargebirges bot der erste Tag schon reichlich Highlights, mit 241 Kilometern und neun Prüfungen bis in die Dunkelheit aber auch reichlich Herausforderungen.
Die Wetterprognose für den Freitag war verheerend, aber das Sauerland zeigte sich als Gastgeber von seiner besten Seite. Es gab sich keine Blöße und hielt die schweren Wolken zurück. Nach Stationen in Marburg und Amöneburg fuhr der Tross dann auch nach Wittgenstein. Ein Paradebeispiel wittgensteiner Gastfreundschaft war Prinz Gustav zu Sayn-Wittgenstein. „Keine Genehmigung kam schneller als die des Prinzen“, verriet Organisator Peter Göbel. Man kennt sich lange. Opa Richard Stremmel diente in jungen Jahren bei Hofe als Revierförster. Mit einer Hundertschaft Schaulustiger wartete der Prinz auf seinem Schlosshof in Bad Berleburg auf den hohen Besuch. Als der dann endlich ankam, hielt Söhnchen Gustav-Albrecht Röhrl einen weißen Spielzeug-911 zum Unterschreiben hin.
Die freudige Nachricht des Tages: Nachdem sich alle Teams auf der vorletzten Tagesprüfung durch den Kuhstall von Bauer Zacharias in Alertshausen gearbeitet haben, während die Nachbarschaft bei Grillwürstchen und frischem Kaffee und Kuchen den Besuch der Porsche-Parade feiert, staunt das Publikum beim Blick auf die oberhalb des Anwesens gelegene Wiese. Mit dem letzten Porsche in der Prüfung bringt eine Kuh tatsächlich zeitgleich ein gesundes Kälbchen zur Welt. Der kleine Stier wird umgehend getauft. Er hört auf den Namen Walter.
Neben dem exotischen Wissenschaftsmuseum mit den an die Pyramiden in Gizeh erinnernden Gebäude an der Lenne gehört die Kartbahn in Hahn zu den Highlights des finalen Morgens. Zur Mittagspause ging es auf das Ausflugsschiff Westfalen, festgemacht am Ufer der Bigge. Zuvor stand aber noch eine Prüfung auf dem danebenliegenden Campingplatz Vierjahreszeiten auf dem Programm. Kurz vor der umjubelten Zielankunft in Schmallenberg begrüßten mehrere Hundertschaften von Fans das Feld an der Hitzenalm. Der selbst rallyeaktive Besitzer begrüßte die Porsche-Klassiker durch ein Spalier von historischen Alpines.
Nach der Auswertung aller Daten kam es zum knappsten Resultat aller bisherigen von Göbel organisierten Rallyes. Nach 750 Kilometern und 23 Prüfungen lagen Steffen Roehn und Marc Hilbrat in ihrem Ur-Elfer von 1964 nur zwei Strafpunkte, sprich zwei Hundertstel Sekunden, vor Christoph und Marina Ditting in ihrem 1973er 911 Targa 2.4T.
Nach Siegerehrung und Abendessen, aber vor dem spektakulären Auftritt der Blackouts stand während der Abschlussgala eine Drohnenshow auf dem Programm. Im Himmel vor der Stadthalle in Schmallenberg tanzten 150 choreographierte Drohnen zu eigens komponierten Songs von Röhrl-Fan Joseph Kotrie-Monson. Sie schrieben unter anderem 911-Silhouetten, die Signatur von Weltmeister Walter Röhrl und nicht zuletzt eine Liebeserklärung und ein Dank an das Sauerland in den Nachthimmel. Schmallenbergs Bürgermeister Johannes Trippe ließ sich von der guten Stimmung anstecken: „Man merkt, dass das hier sehr familiär ist und einen ganz besonderen Spirit hat.“

Auch in der Altstadt von Amöneburg versammelten sich zahlreiche Schaulustige Fans um ein Autogramm zu ergattern.

Bildunterschrift: Walter Röhrl (r.) und Co-Pilot Christian Geistdörfer (l.) machten mit der Röhrl-Klassik auch einen Zwischenstopp bei Schloss Berleburg und Prinz Gustav zu Sayn-Wittgenstein (M.).

(Fotos: Röhrl-Klassik-Presseteam | Stand: 11.09.2026, 14:52 Uhr)