Stünzel. (mb) Sie gilt als eines der größten Volksfeste in Wittgenstein: Die Kreistierschau ging in diesem Jahr in die 194. Runde. Für Außenstehende dürfte es dabei erst mal für Verwunderung sorgen, wenn als Miss Siegen-Wittgenstein nicht etwa ein Mensch, sondern eine Kuh gekürt wird. Für Wittgensteiner jedoch eine Selbstverständlichkeit. Und eine Wahl, die jedes Jahr aufs Neue mit viel Spannung verfolgt wird. Auch in diesem Jahr war der Festplatz auf dem Stünzel wieder die erste Anlaufstelle für zahlreiche Besucherinnen und Besucher. Zahllose Gäste aus nah und fern strömten in den idyllischen 60-Seelen-Ort, um dort Gemeinschaft zu pflegen, das Markttreiben zu genießen und herauszufinden, welche die schönste Kuh ganz Siegen-Wittgensteins ist.
Dieser Titel ging in diesem Jahr zum vierten Mal in Folge an den Stall von Iris Böhl aus Balde. Mit ihrer Schwarzbunt Kuh Mira wurde eine Kuh prämiert, die laut Wertungsrichter besonders mit ihrem jugendlichen Auftreten trotz ihres Alters aufgefallen ist. Gerechnet hätte Böhl damit tatsächlich nicht: „Die Hauptpreise sind ja an andere Betriebe gegangen, was ich ihnen von Herzen gönne“, so die Besitzerin der neuen Miss Siegen-Wittgenstein. In das Stünzelfest investiere man immer wieder viel Arbeit, wie Böhl weiter berichtet. „Ohne die Familie und gute Freunde wäre das hier alles nicht möglich.“
Zu bestaunen gab es rund 80 Tierrassen und etwa 200 Marktstände rund um das Rondell am Festplatz. Der Regio-Markt der Stadt Bad Berleburg bot den Direktvermarktenden aus der Region wieder eine gute Gelegenheit heimische Produkte anzubieten. Erstmals seit einigen Jahren konnte auch wieder ein Shuttle-Service mit Bussen aus ganz Wittgenstein organisiert werden. Auf dem Markt konnte man alles finden, was das Herz begehrt. Von Holzwaren über Obst und Gemüse bis hin zu Spielwaren und Kleidung wurde hier alles angeboten. Auch neue Fahrzeugmodelle und Landmaschinen wurden vorgestellt. Besonders beliebt sind jedoch traditionell die vielen Tiere. Ob Hühner oder Hasen, Schafe oder Ziegen, Pferde oder Kühe – alles war vertreten. Lediglich die Schweine mussten aufgrund der afrikanischen Schweinepest auch in diesem Jahr zu Hause bleiben. Diese sorgte übrigens dafür, dass auf dem Festgelände ein Sicherheitskonzept zur ASP in Abstimmung mit den Ordnungsbehörden umgesetzt wurde.
Prämiert wurden noch zahlreiche weitere Tiere. Mr. Stünzel wurde der Fleckviehbulle Flummi aus dem Stall von André Schneider aus Bad Laasphe.Mrs. Stünzel ist die Fleckviehkuh Beata vom Schäferhof Scholl GbR aus Erndtebrück. Topmodel des Jahres 2026 ist die rote Höhenvieh Färse Lisa aus dem Stall von Anja Meinhold aus Erndtebrück. Alle Ergebnisse finden Interessierte auf der Homepage des Landwirtschaftlichen Kreisvereins Wittgenstein e.V. unter www.lkv-wittgenstein.de/das-stuenzelfest/.
Als Festredner konnte man mit Dr. Arne Dahlhoff den Präsidenten der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen gewinnen. Dieser konnte nicht nur über die Herausforderungen der hiesigen Landwirte berichten – etwa, dass die meisten Höfe im Nebenerwerb und somit neben einem anderen Beruf geführt werden –, sondern auch, dass hier deutlich mehr Höfe ökologisch arbeiten als im Landesdurchschnitt. Und auch, dass die Kreistierschau dazu beitrage, dass Landwirte und Verbraucher wieder mehr Berührungspunkte haben. „Hier treffen Fachleute auf Familien, Landwirte auf Verbraucher und Menschen vom Dorf auf Menschen aus der Stadt. Hier wird nicht übereinander gesprochen sondern miteinander. Und genau das macht aus meiner Sicht den Unterschied.“ Auch Landrat Andreas Müller machte auf die Bedeutung des Stünzelfestes aufmerksam: „Die Kreistierschau macht die wichtige Arbeit unserer Landwirte sichtbar und ist gleichzeitig ein ausgelassenes Volksfest. Sie hat etwas verbindendes.“
Heinrich Menn, 1. Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisvereins konnte ein durchweg positives Fazit ziehen: „Wenn man das Feedback erhält, dass es ein schöner Tag war, macht einen das natürlich stolz.“ Und dieses Feedback hörte man in der Tat an einigen Stellen. Für Menn war es dabei die erste Kreistierschau in der Funktion des LKVW-Vorsitzenden. Gleichzeitig hat er den jüngsten Vorstand der Vereinsgeschichte um sich. Doch mit so vielen engagierten Leuten sollte das kein Problem sein. Auch Geschäftsführerin Daniela Schubarth sei für die Arbeit sehr wertvoll, denn diese sei nun auch schon bei dem ein oder anderen Stünzelfest dabei.
Von einer erfolgreichen Veranstaltung konnte auch Bad Berleburgs Polizeichef Martin Kroh berichten: „Für diese große Anzahl an Menschen ist es sehr ruhig geblieben.“ Natürlich sei in der Größenordnung mit Vorfällen zu rechnen, gerade auch wenn Alkohol im Spiel sei. Aber größere Vorkommnisse habe es nicht gegeben. Dabei lobte er auch die Veranstalter: „Die Zusammenarbeit ist immer vorbildlich! Das ist immer eine sehr angenehme Sache mit den Veranstaltern.“ Auch den Busshuttle begrüßte Kroh sehr. Denn wenn man mit tausenden von Zuschauern rechnet, entzerre dieser auch den Verkehr.
Die Planungen für kommende Veranstaltungen dürften beim LKVW schon anlaufen, denn das Jubiläum wirft seine Schatten voraus. Gegründet in 1832 wird entsprechend in 2032 das 200-jährige Jubiläum gefeiert. Dazu sind schon einige Ideen in Arbeit, wie Heinrich Menn verrät. Besonders ein Blick auf die Geschichte des Vereins und Anekdoten aus dem Leben von damals sollen dabei in den Fokus rücken. Interessierte sind herzlich eingeladen, sich daran zu beteiligen.


















































Bildunterschrift: Die Kreistierschau ist als eines der größten Volksfeste in Wittgenstein ein absoluter Besuchermagnet. Zahllose Tiere und noch viel mehr Menschen versammelten sich wieder auf dem Stünzel und ermittelten die neue Miss Siegen-Wittgenstein.
(Fotos: M. Burk | Stand: 16.06.2026, 15:41 Uhr)




