Erndtebrück. Schaut man sich die Kneipenlandschaft in Wittgenstein und generell in Deutschland an, stellt man eines schnell fest: Die klassische Dorfkneipe hat keinen leichten Stand mehr. Vielerorts kann man ein regelrechtes Kneipensterben verzeichnen. Doch damit fehlt dann nicht nur einfach ein Schankraum, sondern es fehlt ein Treffpunkt im Ort, der Menschen zusammen bringt und das Miteinander stärkt. In genau dieser Situation sehen die beiden Erndtebrücker Silas Stöcker und Manuel Burk derzeit ihre Edergemeinde. „Es fehlt ein Ort, wo man hingehen kann und einfach nur ein Getränk und einen gemütlichen Abend mit seinen Freunden oder seinem Stammtisch verbringen kann“, berichtet Manuel Burk, Mitinitiator des Projekts. Doch das soll sich bald ändern. Denn geplant ist, eine Ehrenamtskneipe zu eröffnen.
Das Konzept dahinter scheint simpel: „Eine Kneipe, die nicht von einem Gastro-Betrieb geführt wird, sondern von Ehrenamtlichen – von den Vereinen“, erläutert Silas Stöcker. Zusammen mit den Erndtebrücker Vereinen wird derzeit an der Umsetzung dieser Idee gefeilt: „Wir haben bereits einen Informationsabend veranstaltet und die Vereine aus dem Kernort dazu eingeladen“, erzählt der 16-Jährige. Manuel Burk ergänzt: „Und die Resonanz dabei war durchweg positiv. Klar gibt es einige Hürden zu überwinden, das ist ganz normal. Aber wir sind der festen Überzeugung, dass das mit den Vereinen gemeinsam gelingen wird“, so der 28-Jährige. „Würde jeder Verein, den wir bisher angeschrieben haben nur einen oder zwei Thekendienste im Jahr machen, hätten wir bei wöchentlicher Öffnung schon das ganze Jahr abgedeckt.“ Ziel ist dabei nicht einfach nur eine Kneipe zu eröffnen, sondern einen Ort zu schaffen, der als Begegnungsort zwischen Menschen und Vereinen fungieren kann.
Die beiden Initiatoren sind selber Mitglied in einigen Vereinen und kennen sich über diese. So sind beide etwa im CVJM Erndtebrück (Christlicher Verein Junger Menschen) und der kirchlichen Jugendarbeit aktiv. „Bei unserem ,Spezi-Treff‘ kommen schon mal die wildesten Ideen raus“, schmunzeln die beiden. Eine dieser Ideen hatte Silas Stöcker im Januar diesen Jahres etwa in Neunkirchen gesehen: Eine Kneipe, bei der die Thekendienste von den Vereinen ehrenamtlich übernommen werden. Dieses Konzept hatte er dann Manuel Burk vorgestellt. „Wir mussten da gar nicht lange drüber sprechen“, lacht Burk. „Ich hab sofort gesagt ,Super, das machen wir auch!‘“ Wenige Tage später begannen die Planungen und das Sammeln von Ideen. Während der Planung stand auch ein Besuch ebenjener Kneipe in Neunkirchen an, bei der man sich außerhalb der Öffnungszeit intensiv mit dem dortigen Betreiber über Hürden, Erfolge und Umsetzung austauschte. „Dort geht das Konzept voll auf. Warum dann nicht auch hier?“, fragt Stöcker.
Doch noch ist einiges zu klären: „Wir haben zwar ein Konzept und auch Wunschvorstellungen, aber letztendlich wollen wir das Projekt gemeinsam mit den Vereinen umsetzen. Und zwar idealerweise mit allen Vereinen. Wenn die Vereine etwas anderes wünschen, machen wir es halt anders“, so Burk. „Dass wir jetzt schon so viele positive Rückmeldungen der Vereine aus allen Bereichen haben – vom Schießsport über Karneval bis hin zum örtlichen Chor – ist für uns ein starkes Zeichen, dass das Interesse da ist!“, freut er sich weiter. Die klassische Dorfkneipe scheint offenbar zu fehlen.
Dass so ein Projekt auch finanziert werden muss, ist dabei völlig klar. Und auch Räumlichkeiten muss man haben. „Wir sind derzeit in Gesprächen, um Räumlichkeiten zu finden. Wenn man durch Erndtebrück geht, sieht man bereits, dass es Räumlichkeiten genug gibt. Da wollen wir mit den Vereinen aber erst sprechen, welche Anforderungen diese haben. Soll es eine Musikkneipe sein, bei der man tanzen kann? Oder will man einfach gemütlich am Tisch sitzen? Oder vielleicht sogar beides? Das beeinflusst letztendlich die Entscheidung. Und wir wollen, dass alle Vereine profitieren können“, so die Initiatoren. Apropos profitieren: Was haben die Vereine eigentlich davon? Die Trinkgelder des Abends würden an das jeweilige Thekenteam gehen. Ob die Vereine und Institutionen davon ihre Vereinskasse aufbessern oder soziale Projekte unterstützen ist ihnen überlassen.
Wichtig ist den beiden Initiatoren zu betonen, dass sie keine Konkurrenz schaffen wollen. „Weder der bestehenden Gastronomie in Erndtebrück noch den Vereinen und deren Angeboten und Thekenbereichen wollen wir die Kundschaft wegnehmen. Deswegen wollen wir kein Essen anbieten. Mitgebrachtes oder bestelltes Essen darf natürlich gerne verzehrt werden“, so Manuel Burk. „Auch bei der Öffnungszeit wollen wir auf möglichst alle Vereine Rücksicht nehmen – auch wenn das natürlich die größte Herausforderung werden dürfte“, ergänzt Silas Stöcker.
In den nächsten Schritten wird ein kleines Experten-Team zusammengestellt, um Themen wie Immobilie, Schankbetrieb, Finanzen und Organisation abzudecken. Bei einem nächsten Treffen sollen die Vereine konkret ihre Wünsche und Anforderungen zu Papier bringen, das Experten-Team wird daraus dann schauen, was davon umsetzbar ist und ein Konzept zusammenstellen. Da die Vereine ihre Unterstützung in der Regel erst noch durch ihre Jahreshauptversammlungen offiziell zusagen können, wird das erst Anfang 2027 geschehen. Bis dahin soll aber das Konzept komplett ausgearbeitet sein.
Auch über die Finanzierung macht man sich schon Gedanken. Viele solcher Projekte werden etwa über LEADER gefördert. So könnte man sich etwa vorstellen, eine LEADER-Projektförderung zu beantragen. Auch die Möglichkeiten der Zukunftsstiftung „Unser Erndtebrück“ sollen erfragt und berücksichtigt werden. Im Rahmen der Dorferneuerung könnten vielleicht sogar noch weitere Fördermittel akquiriert werden. Das Konzept sieht vor, dass die beteiligten Vereine im Grunde keine Nachteile haben, sondern langfristig von dem Projekt profitieren können. Denn es soll neben der Ausschüttung der Trinkgelder auch eine gute Möglichkeit sein, den eigenen Verein im Ort bekannter zu machen, Werbematerial auszulegen, und untereinander ins Gespräch zu kommen. Für Vereine ohne eigenes Vereinsheim könnte hier somit auch ein Veranstaltungsort entstehen, der für Versammlungen genutzt werden könnte.
Auch wenn aus den Vereinen schon großes Interesse an dem Projekt zu verzeichnen ist, können weitere Interessierte sich gerne bei den Initiatoren melden, wenn sie diese Ehrenamtskneipe unterstützen möchten. Denn auch eine Gruppe an Menschen, die sich keinem Verein zugehörig fühlen oder einfach so helfen möchten werden gebraucht, damit etwa alle Thekendienste immer besetzt werden können. Hierzu kann man sich gerne per E-Mail an ehrenamtskneipe@manuel-burk.eu wenden.
Bildunterschrift: Silas Stöcker und Manuel Burk (v.l.) planen derzeit eine ehrenamtlich betriebene Kneipe im Erndtebrücker Kernort.
(Foto: wipo | Stand: 30.05.2026, 08:00 Uhr)





