Erndtebrück. (mb) Der Duft von Schießpulver liegt in der Luft, laute Knallgeräusche tönen in die Täler hinab, durch den Ort laufen vermehrt grün uniformierte Menschen und vom Erndtebrücker Fuchsrain vernimmt man lautes Jubeln. Mit anderen Worten: Die Schützenfestsaison ist eröffnet! Was so manch eine und einer heiß ersehnte, haben die Schützenschwestern und -brüder des Schießvereins Erndtebrück nun endlich gestartet. Das Vogelschießen an Himmelfahrt ist traditionell das erste seiner Art in der Saison. Und auch wenn das regnerische Wetter manch einem die Stimmung buchstäblich hätte verhageln können, war davon doch kaum etwas am Fuchsrain zu erkennen. Denn hier gab es viele Gründe zu Jubeln. Im 115. Jahr des Vereinsbestehens galt es gleich vier Königsketten neu zu vergeben. So wurde zu Beginn dem Kaiser- und dem Jugendvogel parallel der Garaus gemacht. Nach einer umfassenden Geländeerweiterung für die Bogensportabteilung hat man hier nun auch den Platz dafür, beide Wettbewerbe nebeneinander zu veranstalten.

Am Schießstand der Erwachsenen galt es eine Nachfolge von Kaiser Günter Schmidt zu finden. Angelegt hatten hier 18 Schützinnen und Schützen auf den hölzernen Aar. Allesamt – so will es die Regel – ehemalige Königinnen und Könige des Vereins. Dass sie also das Zeug dazu haben, einen Vogel fachgerecht zu zerlegen, dürfte keine Frage sein. Letztendlich teilten sich Gerhard Lehmann (Krone), Uli Feige (Zepter), Ralf Gretsch (Reichsapfel), Jürgen Berretz (rechter Flügel) und der noch amtierende Kaiser Günter Schmidt (linker Flügel) die Insignien des Vogels untereinander auf, bevor es dann Maik Reichmann gelang, den Rumpf des Federviehs von der Stange zu reißen und sich zum neuen Schützenkaiser am Fuchsrain zu machen.
Parallel kämpfte die Jugendabteilung um die Nachfolge von Ilka Wickenhöfer. Diese konnte sich selbst noch den linken Flügel des Jugendvogels sichern, während Ylvie Treude (Krone), Bastian Haschke (Zepter), Jona Treude (Reichsapfel) und Heinrich Grebe (rechter Flügel) die restlichen Insignien ihr Eigen nennen dürfen. Nachdem alle Preise aus den Klauen des Vogels gerissen wurden, setzte Ylvie Treude dann den goldenen Schuss und erlegte den Jugendvogel fachgerecht. Den Namen Treude sollte man sich auf jeden Fall behalten, denn dieser sollte auch im Rennen um die Königswürde des Schießvereins auf der Bewerberliste stehen.

Bei einem spannenden Wettkampf um ebendiese traten rund 60 Schützinnen und Schützen vor den hölzernen Aar, um ihm Feder um Feder seiner Insignien zu berauben. Hier ging die Krone an Andreas Hering. Das Zepter viel durch Tobias Klein, der Reichsapfel ging an Jürgen Berretz. Den rechten Flügel trennte Marion Bald vom Rumpf des Vogels, dessen linkes Pendent viel Lara Althaus anheim. Auf den ramponierten Vogel legten dann noch 18 Schützinnen und Schützen an. Dass es ein spannender Wettkampf werden würde, war bereits klar. Durchsetzen konnte sich dann letztendlich Rebecca Treude. Wie bereits erwähnt ein Name, den man sich merken sollte. Denn mit Rebecca Treude und Ylvie Treude regieren nun Mutter und Tochter als Königin und Jugendkönigin des Schießvereins. Ein ganz besonderer Erfolg für Rebecca Treude, die ihren Erfolg zunächst kaum fassen konnte. Den Entschluss auf den Königsvogel anzulegen hatte sie erst in dem Moment gefasst, als ihre Tochter den Jugendvogel erlegte. Der Plan war jedoch gar nicht so kurzfristig. Denn wie Treude berichtet, hätte sie auch mitgeschossen, wenn ihr Vater den Kaiservogel erlegt hätte. Dieser ist übrigens kein anderer als Uli Feige, der vor gar nicht all zu langer Zeit selber Schützenkönig im Verein wurde, dann auch Königstitel auf Bezirks- und Landesebene einfahren konnte. Eine erfolgreiche Schützenfamilie kann somit nun einen weiteren Titel in die Familienchronik einfügen. Für Rebecca Treude, bekennender Schalke 04-Fan, ist dabei eines ganz klar: „Schalke ist aufgestiegen und ich bin Schützenkönigin. Besser kann es doch gar nicht werden!“ Den Namen Treude sollte man sich in Erndtebrück jedenfalls noch eine weile merken.

Parallel zum Vogelschießen konnten übrigens auch die Kinder des Vereins ihr Können unter Beweis stellen. An der Red-Dot-Anlage konnte Emil Weyand die Krone und den linken Flügel sein Eigentum nennen, das Zepter viel durch Pia Bätzel. Die noch amtierende Kinderkönigin Pia Schneider erlegte den Reichsapfel. Tilo Wacker schoss den rechten Flügel. Den Kindervogel und damit die Kinderkönigswürde sichert sich Theo Wacker.
Mit der Krönung und der Preisvergabe müssen die Schützinnen und Schützen aber noch eine Weile warten. Denn das Schützenfest feiert der Schießverein erst am Samstag, 20. Juni. Bis dahin bleiben die scheidenden Majestäten noch sozusagen geschäftsführend in Amt und Würden, bis dann in der Halle am Fuchsrain die Insignien offiziell übergeben werden und die Erfolge groß gefeiert werden.

Bildunterschrift: Die alten und neuen Majestäten vom Fuchsrain (v.l.): Schützenkönig Holger Schneider mit Nachfolgerin Rebecca Treude, deren Tochter und neue Jugendkönigin Ylvie Treude mit der noch amtierenden Jugendkönigin Ilka Wickenhöfer und der neue Kaiser Maik Reichmann mit dem scheidenden Kaiser Günter Schmidt.
(Fotos: Manuel Burk | Stand: 15.05.2026, 15:30 Uhr)





