Erndtebrück. Angesichts der sich rasant wandelnden globalen Sicherheitslage und der Lehren aus aktuellen internationalen Konflikten rüstet die Bundeswehr technologisch massiv auf. Ende 2025 hat der Standort Erndtebrück die erste Tranche neuer Kleinstdrohnen für die Überwachung und Aufklärung (UAS – Unmanned aerial Systems) erhalten. Damit wird die Truppe befähigt, in Echtzeit ein präzises Lagebild zu erstellen und den Schutz der eigenen Soldatinnen und Soldaten signifikant zu erhöhen.

Die neue Realität auf dem Gefechtsfeld

Die weltpolitische Lage der vergangenen Jahre hat gezeigt: Der Luftraum über dem Gefechtsfeld gehört nicht mehr allein den großen Einsatzgeschwadern mit ihren Luftfahrzeugen. Insbesondere die Konflikte in Osteuropa und im Nahen Osten haben den Einsatz von Drohnen jeder Größenordnung revolutioniert. Was früher teure Spezialtechnik war, ist heute zum „Auge des Infanteristen“ geworden. Kleinst- und Mikrodrohnen sind aufgrund ihrer geringen Signatur schwer zu entdecken, kosteneffizient in der Beschaffung und flexibel in der Anwendung.
„Wer heute auf dem Gefechtsfeld besteht, muss sehen, ohne gesehen zu werden“, betont Oberstleutnant Loerkens, Kasernenkommandant und Leiter der Drohneneinheit. „Die Integration dieser Systeme ist keine Spielerei, sondern eine bittere Notwendigkeit, um auf die hybriden Bedrohungen und die hohe Dynamik moderner Kriegführung zu reagieren.“

Überlegenheit im Taschenformat

Bei den neu ausgelieferten unbewaffneten Systemen handelt es sich um hochmoderne Kleinstdrohnen, welche über hochauflösende Kamerasysteme und Wärmebildtechnik verfügen. „Wir haben nun die Möglichkeit unsere Liegenschaften und/oder Bereiche von militärischem Interesse mittels diverser Sensorik in den Systemen zu überwachen, beim Tage, wie auch in der Nacht“, so Oberstleutnant Loerkens.
Ein einzelner Soldat kann das System innerhalb weniger Sekunden starten. Die Drohnen ermöglichen es Patrouillen, hinter Hügelketten oder in urbane Gebiete zu detektieren, bevor die Truppe diese betritt. Dies minimiert das Risiko von Hinterhalten und verbessert die Präzision bei Aufklärungsmissionen erheblich, aber auch bei der Absicherung der eigenen Liegenschaften.

Erweiterung der Fähigkeiten

Die Einführung der unbemannten Systeme erweitert nun auch das Fähigkeitsprofil des Standortes auf dem Hachenberg.
„Für den Austausch mit den anderen Organisationen, welche ebenfalls Drohnen im Kreisgebiet einsetzen, wurde bereits ein erster ,runder Tisch‘ zum Erfahrungsaustausch gebildet. Dies hat für den Luftwaffenstandort noch einen zweiten wichtigen Aspekt, denn hier wird ja auch der Luftraum über ganz Deutschland 24/7 überwacht, so dass wir hier etwaige Drohnenstarts anderer Organisationen in unsere Systeme bringen können und dies zum identifizierten Luftlagebild beiträgt, aber auch den militärischen Flugbetrieb wiederum sicherer macht“, so Loerkens.
Darüber hinaus berichtete Loerkens, dass man neben dem Einsatz zur Überwachung und Aufklärung auch zukünftig über weitere Einsatzmöglichkeiten nachdenkt, wie etwa Hilfeleistungen bei Maßnahmen zur Katastrophenabwehr, Großschadensereignissen, der Suche nach verschütteten und vermissten Personen und das Absuchen von Flächen nach Glutnestern bei Waldbrand, insofern hier ein Amtshilfeersuchen der örtlichen Blaulichtorganisationen vorliegt. Im weiteren Verlauf werden nun die Soldatinnen und Soldaten des Standortes weiter an den neuen Systemen ausgebildet, um die Technik nahtlos in den täglichen Dienst- und Übungsbetrieb zu integrieren, sowie auch im taktischen Umgang geschult.

Bildunterschrift: In Erndtebrück werden die Soldaten künftig auch an taktischen Drohnen ausgebildet.

(Foto: Luftwaffe / Dominic Kaltweiler | Stand: 14.04.2026, 08:00 Uhr)