Bad Berleburg. Nach dem ersten Projektjahr zieht das Projekt „U-Stahl ade – Vom U-Stahl-Feilen zur Azubi-Firma“ eine erste positive Zwischenbilanz. Beim Konsortialtreffen im Bildungszentrum Wittgenstein kamen die Projektpartner zusammen, um den bisherigen Fortschritt zu reflektieren und sich über die nächsten Entwicklungsschritte auszutauschen. Zu Gast war dabei Dr. Nina Jung vom Bundesinstitut für Berufsbildung, die das Projekt fachlich begleitet.
Im Mittelpunkt des Projekts steht ein Perspektivwechsel in der metalltechnischen Grundausbildung. Statt traditioneller Übungsaufgaben – symbolisch steht dafür das sogenannte „U-Stahl-Feilen“ – soll künftig eine Azubi-Firma entstehen. In diesem Übungsunternehmen durchlaufen Auszubildende praxisnah die gesamte Wertschöpfungskette: von der Produktidee über die Fertigung bis hin zum Vertrieb. Ziel ist es, neben fachlichen Kompetenzen auch Kreativität, Problemlösefähigkeit und Teamarbeit zu stärken.
„Mit der Azubi-Firma wollen wir Ausbildung näher an die Realität moderner Betriebe bringen“, sagt Björn Eckert, Projektleiter vom Berufsbildungszentrum der IHK Siegen. „Auszubildende lernen nicht nur handwerkliche Grundlagen, sondern erleben echte betriebliche Abläufe und übernehmen Verantwortung entlang der gesamten Wertschöpfungskette.“ Perspektivisch sollen die in der Ausbildung gefertigten Produkte nicht mehr nur als Übungsstücke dienen, sondern tatsächlich über die Azubi-Firma vertrieben werden. So sammeln Auszubildende praxisnahe Erfahrungen und entwickeln neben Fachwissen auch unternehmerisches Denken.
Damit leistet das Projekt zugleich einen Beitrag zur Fachkräftesicherung und zur Stärkung des Industriestandorts Südwestfalen, der angesichts demografischer Veränderungen und steigender Anforderungen an Kompetenzen in der Ausbildung besonders gefordert ist. In den vergangenen zwölf Monaten hat das Projektteam intensiv an den Grundlagen für das neue Ausbildungskonzept gearbeitet. Dazu gehörten die Analyse bestehender Grundlehrgänge sowie Gespräche und Workshops mit Auszubildenden, Ausbilderinnen und Ausbildern und regionalen Unternehmen.
Bereits in der Analysephase zeichnen sich erste Erkenntnisse ab: In Fokusgruppen mit Auszubildenden sowie Workshops in den überbetrieblichen Berufsbildungsstätten (ÜBS) zeigte sich, dass klassische Übungsaufgaben wie das „U-Stahl-Feilen“ oft als wenig motivierend empfunden werden. Ein Auszubildender brachte es auf den Punkt: „Der Sinn dahinter fehlt, das ist, als würde ein Kfz-Mechaniker ein Auto reparieren, das am Ende gegen eine Wand gefahren wird.“ Besonders praxisnahe Aufgaben und Kundenaufträge sorgen hingegen für Motivation und einen echten Lerneffekt.
Auch die Unternehmen unterstreichen den Wert praxisnaher Ausbildung: „Wir wollen, dass die Azubis Aufgaben übernehmen, bei denen sie sehen, ob es funktioniert oder nicht – so entwickeln sie Problemlösungsfähigkeit und Eigenverantwortung“, erläuterte ein Ausbilder aus der Metall- und Elektroindustrie. Auf Basis dieser Erkenntnisse werden nun konkrete Konzepte für die Azubi-Firma entwickelt, die künftig nicht nur fachliches Wissen, sondern auch unternehmerisches Denken und Teamarbeit fördern sollen. Neben dem Berufsbildungszentrum der IHK Siegen und dem BZW Bildungszentrum Wittgenstein sind auch die LEWA Attendorn, die FernUniversität Hagen sowie seit März neu im Konsortium die Universität Siegen beteiligt.
Das Projekt „U-Stahl ade“ wird im Rahmen der Initiative für eine exzellente überbetriebliche Ausbildung (INex-ÜBA) vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert und vom Bundesinstitut für Berufsbildung begleitet.

Bildunterschrift: Ein Jahr nach dem Start kamen die Projektpartner von „U-Stahl ade“ erneut im Bildungszentrum Wittgenstein zusammen.

(Foto: privat | Stand: 31.03.2026, 15:56 Uhr)