Raumland. (icr) Mit der Einweihung eines neuen Gedenksteins vor der evangelischen Kirche in Raumland hat der Wittgensteiner Heimatverein am Samstag, 7. März, das Riedesel-Jahr 2026 eröffnet. Anlass ist der 300. Todestag des bekannten Wittgensteiner Baumeisters Mannus Riedesel. Der neue Gedenkstein steht auf dem Vorplatz der Kirche, östlich des Gebäudes. Auf ihm befindet sich eine kunstvoll gestaltete Schieferplatte mit den wichtigsten Informationen über den Baumeister. Dass dabei Schiefer verwendet wurde, war für die Verantwortlichen schnell klar – schließlich gilt Raumland nicht ohne Grund als Schieferdorf.
Enthüllt wurde der Stein gemeinsam von Otto Marburger, Ehrenvorsitzender des Wittgensteiner Heimatvereins, dem ersten Vorsitzenden Bernd Weide sowie Pfarrer Dirk Spornhauer. Neben zahlreichen Vereinsvertretern waren auch einige Besitzer von Gebäuden gekommen, die einst von Riedesel errichtet wurden.

Spuren eines großen Handwerksmeisters

Mannus Riedesel wurde am 6. Juni 1662 in Melbach geboren und starb am 4. November 1726. Als Baumeister hinterließ er in Wittgenstein und darüber hinaus eine Vielzahl von Fachwerk-Bauwerken. Zu seinen bekannten Werken zählen unter anderem die Kapelle in Sassenhausen aus dem Jahr 1705, das Stolz’sche Haus in Bad Laasphe (1705), der erste und zweite Bauabschnitt der Ludwigburg in Bad Berleburg (1707 bis 1709 sowie 1724), das Haus Grebe in Bad Laasphe (1709), der Hof Dambach (1711) sowie der Hainhof von 1712. Auch das Haus Parkstraße 5 in Bad Berleburg (1725) und das Fuchs’sche Haus in Wunderthausen (1726) stammen von ihm. Doch nicht nur in Wittgenstein hinterließ der Baumeister seine Spuren. Bereits 1691 arbeitete er am Neubau der Burg in Hilchenbach mit. Außerdem war er am Bau des Gewächshauses im fürstlichen Garten am Siegener Schloss beteiligt und errichtete 1709 die Hausbrücke in Berghausen.
Nach seinem Tod wurde Riedesel auf dem Friedhof an der Raumländer Kirche beigesetzt. Wo genau sich sein Grab befindet, ist heute allerdings nicht mehr bekannt. Deshalb entschied man sich, den Gedenkstein auf dem Vorplatz der Kirche zu errichten. Pfarrer Dirk Spornhauer erklärte, dass sich östlich der Kirche früher der übliche Bereich für Begräbnisse befunden habe.

Auch darüber hinaus gibt es eine Verbindung zwischen dem Baumeister und der Kirche. Die Empore über dem nördlichen Eingang gilt als Werk Riedesels und entstand etwa um 1720. Sie trägt typische Verzierungen, die sich auch an anderen seiner Gebäude finden.
Besonders auffällig sind dabei die sogenannten „Riedesel-Früchte“. Diese kunstvollen, aber nicht eindeutig bestimmbaren Fruchtformen tauchen in vielen seiner Bauwerke auf und gelten als eine Art Markenzeichen des Baumeisters. Auch auf der neuen Schieferplatte des Gedenksteins sind sie dargestellt.

Ein weiteres Detail ist ein Teufelskopf mit einem Ring im Mund. Nach einer Erklärung von Otto Marburger soll dieses Motiv symbolisieren, dass der Teufel in der Kirche den Mund zu halten habe. Ein ähnliches Teufelsgesicht findet sich auch an der Außenseite der Kapelle in Sassenhausen – dort allerdings ohne den Ring.
Die Einweihung des Gedenksteins markiert zugleich den Startpunkt für mehrere Veranstaltungen, mit denen der Wittgensteiner Heimatverein im Laufe des Jahres an den Baumeister erinnern möchte. Dabei soll sein Leben und Werk Schritt für Schritt näher beleuchtet werden.

Die Empore über dem nördlichen Eingang der evangelischen Kirche in Raumland entstand um 1720 und zeigt typische Verzierungen des Baumeisters – darunter seine charakteristischen „Früchte“ sowie einen Teufelskopf mit Ring im Mund.

So findet am 14. April um 18 Uhr im Neuen CAPITOL ein Wittgensteiner Heimatstammtisch der Volkshochschule statt. Referent ist Heiner Althaus, der unter dem Titel „Die Ludwigsburg – Handwerkskunst und Anekdoten aus über drei Jahrhunderten“ Einblicke in die Geschichte des Gebäudes geben wird.
Am 9. Mai um 16.30 Uhr folgt ein weiterer Vortrag unter dem Titel „Fachwerk mit Handschrift – Wenn Balken erzählen“. Dabei wird Bernd Geier von Salisch den charakteristischen Baustil Riedesels näher vorstellen.
Wer die Bauwerke lieber direkt vor Ort entdecken möchte, kann sich außerdem den 30. Mai vormerken. Dann ist eine Radtour geplant, bei der einige der erhaltenen Riedesel-Bauten in der Region besucht werden sollen. Weitere Termine sollen im Laufe des Jahres folgen.

Bildunterschrift: (v.l.) Ingo Hackler, Dirk Spornhauer, Bernd Weide und Otto Marburger enthüllten den neuen Gedenkstein für den Wittgensteiner Baumeister Mannus Riedesel vor der evangelischen Kirche in Raumland.

(Foto: I. Rockel | Stand: 14.03.2026, 08:00 Uhr)