Erndtebrück. (mb) Seit etwa einem halben Jahr hat die Hachenbergkaserne in Erndtebrück nun neue Kommandeure. Ende März übernahm Oberstleutnant Kim Dierks das Kommando über das Lehr- und Verfahrenszentrum und somit über die Ausbildung am Stützpunkt. Oberst Jens Dobrindt übernahm kurz danach im April das Kommando über die Kaserne von Oberst Sven Menger. Nach einem halben Jahr ziehen die beiden Kommandeure ein erstes Fazit. Für Oberst Dobrindt ist es dabei nicht seine erste Station in Erndtebrück: Der jetzige Standortälteste war bereits von 2003 bis 2010 in der Edergemeinde stationiert. Für ihn ist es ein Stück weit wie ein Nachhausekommen: „Wenn ich hier mit dem Bürgermeister rede oder mit den Blaulichtorganisationen, dann ist das genau so wie in meiner Erinnerung. Also schon ein starker gesellschaftlicher Zusammenhalt. Die Gemeinschaft hier vor Ort ist schon etwas, was die Region auszeichnet.“
Für Oberstleutnant Dierks steht Erndtebrück bis auf einen Tagesbesuch bei einer vorherigen Verwendung zum ersten Mal in der Vita. „Ich hab mich hier sehr gut eingefunden und mag die Umgebung total gerne“, berichtet Dierks. Der Wechsel von Stationen in der Stadt zum jetzigen Standort im ländlichen Gebiet ist für sie dabei auch ein Stück weit erdend. Die ersten Eindrücke von Erndtebrück, seinen Einwohnern und der Gemeinschaft waren dabei durchaus positiv. Besonders die enge Zusammenarbeit mit der Kommune ist dabei erwähnenswert. Aber auch mit Vereinen und der Blaulichtfamilie kann man sich gut austauschen. „Bei jedem Feuerwehrfest werden wir gefragt, ob wir nicht einen Bundeswehr-LKW hinstellen können. Und das machen wir auch, wenn es möglich ist“, betont Oberst Dobrindt. Erst kürzlich etwa fand ein „Tag der Hilfskräfte“ beim Schulzentrum am Stöppel statt, bei dem auch die Bundeswehr ihre Ausbildungspotentiale präsentieren konnte. Generell will man aus der Kaserne heraus viel offener nach außen kommunizieren und mehr Öffentlichkeit zeigen.
Übernommen haben die beiden Kommandeure eine gute Truppe: „Motivation, Dienstauffassung, Einstellung, das stimmt alles. Allerdings muss man jetzt vor der Sicherheitspolitischen Gesamtlage schon noch mal schauen, ob wir da intern richtig aufgestellt und organisiert sind. Haben wir die richtige Ausrüstung? Bilden wir das richtige aus? Und haben wir uns mental damit auseinandergesetzt, dass wir eben keine Schönwetterarmee sind sondern die Bundesrepublik Deutschland verteidigen? Da gibt es schon noch etwas Aufholbedarf“, so Dobrindt. Auch bei einer starken Truppe gibt es dabei immer noch die Möglichkeit, eigene Impulse mit einzubringen. Neue Dinge werden ausprobiert, so Dobrindt, und wenn sie gut ankommen, werden sie fortgesetzt und wenn nicht, wieder abgeschafft. Auch Oberstleutnant Dierks konnte das so bestätigen: „Ich habe eine tolle Truppe übernommen – sehr motiviert und Loyal. Es macht viel Spaß, mit den Männern und Frauen zusammenzuarbeiten. Aber wir müssen jetzt auch an Dinge, die lange nicht im Fokus standen, arbeiten, da sich das sicherheitspolitische Umfeld radikal geändert hat. Das ist ein Prozess, der nicht von heute auf morgen beendet ist. Das zu gestalten ist herausfordernd, aber die Truppe zieht da mit.“
Das Gestalten funktioniert jedoch nur mit einem guten Führungsstil. In den ersten sechs Monaten beschreibt Oberst Dobrindt diesen mit den Worten „kooperativ aber energisch“. „Die Grundeigenschaft eines Offiziers ist eine kommunikative“, so Dobrindt. Dieser versucht immer, die Leute mitzunehmen und einzubinden. Aber irgendwann müsse dann natürlich auch eine Entscheidung gefällt werden. Oberstleutnant Dierks formulierte es ähnlich: „Kooperativ aber fordernd.“ Sie habe bei den unterschiedlichen Verwendungen in ihrer Laufbahn viele Dinge machen dürfen, die mit ihrer ursprünglichen Ausbildung jedoch nicht mehr viel zu tun hatte. „Ich bin hier auch auf meine Fachleute angewiesen. Ich vertraue meinen Leuten und verlasse mich auf sie, erwarte aber auch, dass sie mir, wenn es um truppendienstliche Dinge geht, das gleiche vertrauen entgegenbringen. Dabei können sie sich auf mich verlassen.“
Nach den ersten sechs Monaten können Oberst Jens Dobrindt und Oberstleutnant Kim Dierks ein erstes positives Fazit ziehen. „Wir haben in den ersten sechs Monaten schon viel gemacht. Wir haben viele Prozesse umgestellt, wir haben auch intern ein bisschen umstrukturiert, wir haben versucht, die Soldatinnen und Soldaten mitzunehmen, wenn es um Kriegstüchtigkeit geht und wir haben auch viel für das Zivilpersonal gemacht. Da bin ich schon stolz drauf. Aber es ist nicht vorbei. Es ist noch ein Weg zu gehen. Dazu ergänzte Dierks: „Im Lehr- und Verfahrenszentrum sind zeitgleich mit mir auch andere Schlüsselposition neu besetzt worden. Wir sind mit Schwung gestartet und das merkt natürlich auch der Verband. Jetzt kommt erst mal eine Phase der Konsolidierung in der wir schauen, wie wir die neuen Impulse umsetzen können. Ich bin stolz auf den Verband und mein Personal, weil sie mitziehen und wissen worum es geht und wofür wir das tun.“ „Die Schublade der Ideen ist auf jeden Fall noch gut gefüllt!“ freut sich Oberst Dobrindt mit einem Blick in die Zukunft.

Herausforderungen sieht Oberstleutnant Dierks jedoch auch für die Luftwaffe: „Ich glaube die größte Herausforderung – hier wie andernorts – ist Personal. Auch dadurch, dass wir in den kommenden Jahren mehr Personal ausbilden müssen, brauchen wir natürlich auch hier fähige Ausbilder, die das machen. Wir haben hier gutes, motiviertes Personal, aber zu wenig. Und das ist überall so. Personal ist die Schlüsselkomponente für Einsatzbereitschaft. Dazu gehört, dass dieses Personal gut ausgebildet ist, und dass es Material hat, womit man arbeiten kann.“ Dem kann Oberst Dobrindt nur zustimmen: „Frau Oberstleutnant Dierks verantwortet ja die Lehrgangsgebundene Ausbildung. Das heißt hoch spezialisierte Kräfte. Die findet man nicht auf dem freien Markt. Selbst wenn man jemanden findet, der sich nach dem Abitur vorstellen kann, länger bei der Bundeswehr zu bleiben: Bevor ich den als Ausbilder einsetzen kann dauert das acht Jahre. Pauschal. Und selbst wenn jetzt viel Personal käme, die Anzahl der Ausbilder ist begrenzt gerade.“ Die materielle Ausstattung sei dabei auf einem guten Weg. Doch auch auf die Nachwuchsgewinnung lohnt sich ein Blick.
Die Wehrpflicht wird derzeit wieder oft diskutiert. „Bevor ich von Wehrpflicht spreche, möchte ich immer erst mal über Wehrdienst reden. Alle schimpfen immer über die neue Generation, haben ihre Vorurteile. Ich würde denen erst mal eine Chance geben. Ich würde erst mal mit der Freiwilligkeit schauen, wie weit man damit kommt. Gerade diese Aufwuchsfähigkeit, also mehr Leute zur Bundeswehr zu bringen, ist ein erheblicher Teil der Abschreckung, die wir gegenüber Russland und anderen Nationen auch vorzeigen müssen. Das ist nur glaubhaft, wenn es da einen gewissen Mechanismus hinter gibt. Dass das hinterher wieder in einer Wehrpflicht endet, das kann durchaus sein.“ Für eine Wiedereinführung der Wehrpflicht müsste man auch Infrastruktur und Ausbilder bereithalten, „was schon auch ein dickes Brett ist“. Auch der Begriff der „Kriegstüchtigkeit“ spiegelt sich in der Kaserne wieder. Die allgemeinmilitärischen Fähigkeiten werden verstärkt trainiert, Prozesse zum bewachen der Kaserne werden betrachtet, „die Friede, Freude, Eierkuchen-Zeit ist vorbei“, berichtet der Oberst. Das nehmen die Soldatinnen und Soldaten schon wahr. „Die haben natürlich auch Sorgen jetzt, die sie vorher vielleicht noch nicht hatten. Vielleicht wird irgendwann auch über Kasernierung nachgedacht werden müssen. Das heißt nicht mehr am Wochenende nach Hause fahren. Nicht mehr die Katze füttern. Die Familie alleine lassen. Das sind Dinge, die sprechen wir an.“
Der Standort Erndtebrück ist für die Luftwaffe übrigens eines von zwei Nervenzentren. Mit der Radaranlage auf dem Dille ist Erndtebrück das Auge der militärischen Verteidigung. „Wenn Sie in Düsseldorf in den Flieger steigen und nach Mallorca fliegen, tauchen Sie irgendwann in Erndtebrück auf dem Radarschirm auf. Und wir schauen, dass es Ihrem Flug dann immer gut geht. Sollte es da Schwierigkeiten geben, sehen wir das. Dann sind ja auch wir diejenigen, die gegebenenfalls die Alarmrotte dahin geleiten.“ Als ein so wichtiger Standort – er gehört zur kritischen Infrastruktur der Luftwaffe – muss sich aber kein Erndtebrücker Sorgen darüber machen, dass Erndtebrück Ziel eines physischen Angriffs würde. Zu rechnen sei da eher mit anderen Formen des Angriffs, wie etwa Spionage oder Sabotage. Zusätzlich wird derzeit das Luftwaffensicherungsbataillon aufgebaut. Also zusätzliche Reservisten, um die Liegenschaften in Erndtebrück zu schützen.
Geschützt werden die Liegenschaften laut neuester Verordnung des Verteidigungsministeriums auch durch erweiterte Schutzbereiche. Doch laut Oberst Dobrindt wird sich dadurch effektiv nichts wirklich ändern: „Diese Schutzbereiche gab es im Grunde schon immer. Seit langem gibt es eine kreisförmige Schutzbereichszone um das Radar am Ebschloh. Zusätzlich sind nun zwei kleinere Kreise hinzugekommen, die innerhalb des ursprünglichen Kreises liegen.“ Letztendlich geht es darum, dass keine Beeinträchtigungen des Radars erbaut werden. In diesem Fall habe die Bundeswehr ein Wörtchen mitzureden. „Wenn ein betroffener Grundstückseigentümer ein neues Gebäude errichten möchte, gelten weiterhin alle bisherigen Auflagen. Und man sollte nicht vergessen, dass man ja auch eine Entschädigung bekommt, wenn man beispielsweise einen hohen Baum zurückschneiden muss“, so der Oberst.
Doch abseits der Bedeutung Erndtebrücks für die Luftwaffe ist auch die Zusammenarbeit mit der Gemeinde ein klares Zeichen für die Bedeutung des Standortes für die Kaserne am Hachenberg, angefangen schon bei den Ortsschildern, die auf den Luftwaffenstandort hinweisen. Die Zusammenarbeit und die Gemeinschaft zwischen Kaserne und Kommune, zwischen Soldatinnen, Soldaten, Einwohnerinnen und Einwohnern sei besonders gut.

Bildunterschrift: Oberst Jens Dobrindt und Oberstleutnant Kim Dierks haben jetzt seit rund sechs Monaten das Kommando am Hachenberg.

(Foto: Bundeswehr/Dominik Born | Stand: 15.11.2025, 08:00 Uhr)