Schameder. An der Wand das mannshohe Handarbeits-Relief mit einem mächtigen Kreuz in der Mitte, ein großer Eisen-Kandelaber mit vier Kerzen und eine Bibel – all das blieb jetzt in der Kapelle Schameder zurück, nachdem die Evangelische Kirchengemeinde Erndtebrück hier ihren letzten Gemeindegottesdienst gefeiert hatte. Mitgenommen wurden eine weitere Bibel mit Lesepult, eine Kinderbibel, eine leuchtende Kerze in einem Windlicht, Gesangbücher, ein Strauß Blumen in einer Vase. Und ganz viele Erinnerungen aus den vergangenen 53 Jahren, fröhliche und traurige.
Ab 1972 war die Kapelle im Dienst, gebaut mit Geld der damaligen Kommunalgemeinde Schameder und vielen privaten Spenden. Sinkende Gemeindegliederzahlen – und damit verbunden geringere Kirchensteuer-Zuweisungen – ließen das Erndtebrücker Presbyterium bereits in den frühen 2010er Jahre über den Gebäudebestand nachdenken. Das Jugendheim in Erndtebrück wurde verkauft und nach einer Sanierung nur für wenige Jahre zurückgepachtet, bevor die Kirchengemeinde es endgültig verließ.
2017 gab es eine Gemeindeversammlung in Schameder, um eine Lösung für die Kapelle zu finden. Das gestaltete sich kompliziert, später kam auch noch Corona. Die Finanzsituation der Gemeinden in der Evangelischen Kirche von Westfalen wurde und wird weiterhin schwieriger, gleichzeitig sind immer weniger Pfarrer in ihren Stellen für mehr Gemeindeglieder zuständig. Die besondere Komplikation in Schameder: In der Kapelle finden auch die Trauerfeiern der örtlichen Beisetzungen statt. Die Lösung: Die Kommunalgemeinde Erndtebrück kaufte der Kirchengemeinde Erndtebrück die Kapelle für einen Euro ab, so dass diese weiter bei Beerdigungen zur Verfügung steht. Indes hat sich die Kirchengemeinde in Schameders Alter Schule eingemietet, nutzt hier nun zwei Räume: Damit haben Kindergottesdienst und Krabbelgruppe ihren neuen Ort gefunden, auch Gottesdienste werden hier künftig gefeiert.

Genau dorthin wurden die Bibel mit Lesepult, die Kinderbibel, die leuchtende Kerze im Windlicht, die Gesangbücher, der Strauß Blumen in einer Vase nach dem Entwidmungs-Gottesdienst mitgenommen. Entwidmung bedeutet, dass die Kapelle danach keine offizielle Gottesdienststätte mehr ist. Diesem einschneidenden Ereignis wurde der letzte Gottesdienst sehr gut gerecht. Die drei beeindruckenden Vorträge des örtlichen Gemischten Chors „Liederkranz“ unter Leitung von Tom Fiedler trugen sehr viel zur Feierlichkeit des Augenblicks bei, Esther Graf spielte nochmal die Orgel, Bürgermeister Henning Gronau und Schameders Ortsvorsteher Tim Saßmannshausen gehörten genau wie zahlreiche Erndtebrücker Presbyterinnen und Presbyter zu den 70 Zuhörenden beim Gottesdienst. Und Pfarrer Jaime Jung fand genau die richtigen Worte: „Junge und ältere Menschen, mal mehr, mal weniger – alle hatten sie hier ihren Ort. Viel Ehrenamt war hier spürbar. Dafür sind wir unendlich dankbar.“ Deshalb sei die Aufgabe des Gebäudes auch für die Kirchengemeinde ein schwerer Moment: „Aber das bedeutet nicht, dass die Zeit der Gemeinde vorbei ist. Im Gegenteil: Was so viele Menschen, was wir alle hier in dieser Kapelle mit unserem Gott und miteinander erlebt haben, das bleibt uns doch als Erinnerung und als Hoffnungs-Proviant für die neue Zeit-Strecke, die vor uns liegt. Aus diesem Schatz können wir neue Perspektiven entwickeln und Hoffnung schöpfen und Kraft und Mut finden. Lasst uns Abschied nehmen, auch mit Tränen in den Augen und Herzen, aber im Vertrauen, dass auch die neue Strecke Zeit mit unserem Gott ist und bleiben wird. Lasst uns weiterhin gemeinsam gehen.“

So machte sich der Zug der Kirchengemeinde zu Fuß auf den Weg von der Kapelle zur Alten Schule, wo sich die Anwesenden bei Schnittchen und Getränken die neuen Räume der Kirchengemeinde anschauten. Mit alten, wertvollen Erinnerungen in Kopf und Herz beginnt ein neues Kapitel für sie, auch hier kann man wieder Dinge erleben, die zu neuen, guten Erinnerungen werden.
Bildunterschrift: Nach dem Entwidmungs-Gottesdienst machte man sich gemeinsam von der Kapelle in Schameder zu Fuß auf den Weg zur Alten Schule. Später kamen weitere Gäste, die dort die beiden neuen Räume der Kirchengemeinde unter die Lupe nahmen.
(Foto: J. Gesper | Stand: 19.09.2025, 16:30 Uhr)





