Erndtebrück. (mb) Vielerorts in Wittgenstein prangen an den Ortseingängen große Tafeln mit dem stolzen Alter des jeweiligen Ortes. Auch Jubiläen werden stets gefeiert. Erst kürzlich bejubelte ganz Birkelbach das Bestehen des Ortes seit 550 Jahren. Doch wie findet man diese Gründungsjahre heraus? In der Regel, durch die erstmalige urkundliche Erwähnung, die man finden konnte. Allerdings gibt es auch noch andere Zeugen der Besiedlung dieser Region. Tief im Boden versteckt – manchmal auch gar nicht so tief – liegen Fragmente vergangener Zeiten vergraben. Scherben, Werkzeuge, Keramiken, Überreste. Sie bezeugen die Besiedlung der Region schon deutlich vor der ersten Urkundlichen Erwähnung. Stille Zeitzeugen, manchmal ganz und gar unscheinbar. Doch für das geübte Auge ein Quell an Informationen über historische Zeiten. ein solches Auge hat Günter Radenbach aus Berghausen. Bereits im Mai bot der heimische Archäologe eine Wanderung in die früheste Geschichte Wittgensteins an, mit Besuchen von Originalfundorten von Beweisstücken, die ihm die Tür in eine andere Zeit öffneten. Diese Wandertour nördlich von Berghausen und Bad Berleburg war derart beliebt, dass es nun eine zweite Wanderung geben wird. Über 70 Interessierte zählte Radenbach im Mai, als er der Frage auf den Grund ging, wer denn nun zuerst hier lebte. Für Ihn ist klar: Die kelten waren es nicht. Denn „die Kelten“ gab es nicht. vielmehr gab es die unterschiedlichsten Kulturen mit keltischen Einflüssen. Eines hatten sie alle gemein: Sie waren überragende Schmiede. Die Siedler im Eisenzeitlichen Wittgenstein waren, so Radenbach, ein autonomes Volk. Eine eigene Kultur. Die sich natürlich auch mit anderen Kulturen austauschten. So gelangen Fundstücke in die Region wie etwa Glasperlen oder keltisch zugeordnete Fragmente. Für Radenbach ist ganz klar: Wittgenstein muss als eine der reichhaltigsten Fundlandschaften Deutschlands gezählt werden. In kaum einer Region finden sich so viele Fundstücke oder Siedlungsüberreste auf so engem Raum wie hier. Zu einigen dieser Fundstellen wird Günter Radenbach die Interssierten Wanderer am Sonntag, 21. September, führen. Fundorte, die er selbst vor 50 Jahren freilegte. Spannenden Fragen geht man dabei auf den Grund: Gab es in der Eisenzeit Kontakte zwischen Edertal und Unstruth? Gab es in der Eisenzeit auch Eisenverhüttung bei uns? Und wer besiedelte eigentlich das obere Edertal in den Jahrhunderten vor der Zeitenwende im Jahre 0? Diesen und weiteren interessanten Thematiken wird man bei der Wanderung rund um den Berg Krobel nachgehen können. Die Wanderung ist eine leichte Strecke auf befestigten Wegen zwischen den Ortschaften Birkelbach, Birkefehl, Womelsdorf und Schameder. Die Rundwanderung beginnt am Dorfplatz in Birkelbach um 14 Uhr. Die Teilnahmegebühr wird vor Ort bezahlt. Informationen zum „Archäologischen Schaufenster oberes Edertal – Teil II: Wittgenstein: Land der Katten“ wie etwa die Teilnahmegebühr finden sich bei der VHS Siegen-Wittgenstein. Die Wanderung führt durch ein Gebiet, in dem die Afrikanische Schweinepest vorkommt. Daher wurden entsprechende Schutzmaßnahmen getroffen. Alle Originalschauplätze können problemlos besichtigt werden.

Bildunterschrift: Günter Radenbach führt die Wanderer zu den Stellen, an denen er etwa diese Urne aus dem Jahre 0 gefunden hat.

(Foto: M. Burk | Stand: 13.09.2025, 08:00 Uhr)