Bad Berleburg. Die Klinik Wittgenstein bezeichnet sich selbst als einen „Ort für heilsame Begegnungen“ und diese Begegnungen fanden an diesem Wochenende nicht nur wie sonst in der Klinik in der Sählingsstraße statt, sondern auch im Bürgerhaus am Markt. Anlass für diese zahlreichen Begegnungen war das 75-jährige Jubiläum des Krankenhauses für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Psychiatrie und Psychotherapie (Ev. Johanneswerk), das die Einrichtung gebührend und erfolgreich feierte.
Bereits zu Festgottesdienst und Festakt am Samstag vormittag im Bürgerhaus Bad Berleburg begrüßte Geschäftsleiter Ludger Greulich zahlreiche Gäste, bevor er das Wort weitergab an Dr. Ingo Habenicht, Vorsitzender des Vorstandes des Ev. Johanneswerks, der die interessante Geschichte der Klinik Wittgenstein Revue passieren liess. Pastor Karl Pawlowski, der Gründer des Johanneswerks war es, den die damals neuartige Behandlungsmethodik , die die Seele und das persönliche Gespräch mit in die Therapie einbezog, überzeugte. „Was damals als Pionierleistung und riskantes Abenteuer begann, ist heute aus unserem Gesundheitswesen nicht mehr wegzudenken“, so Dr. Habenicht. Die Gründung der Klinik Wittgenstein sei das Ergebnis einer mehrjährigen und teils mühseligen Planungs- und Bauzeit gewesen. Auch Widerstände habe es damals viele gegeben: Auf der einen Seite seien die Jahre zum einen durch einen Mangel an Baustoffen nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt gewesen, und es habe auch heftige kontroverse konzeptionelle Diskussionen gegeben. Schließlich aber stimmte die Mitgliederversammlung des Bielefelder Trägervereins der psychosomatischen Ausrichtung der Klinik zu, denn dafür bestehe offenbar ein „ganz besonderes Bedürfnis“, so zitierte Dr. Habenicht die damalige Entscheidung.
Dieses ganz besondere Bedürfnis hat sich im Laufe der Jahrzehnte weiter entwickelt. Während anfangs viele durch Krieg und seine Folgen traumatisierte Menschen den Weg in die Klinik fanden, waren es später vor allen Dingen Patientinnen und Patienten, die mit den Anforderungen der Aufbaujahre überlastet waren. Der Begriff der „Managerkrankheit“ wurde publik. Und auch heute weiß sich die Klinik Wittgenstein auf die aktuellen Bedürfnisse der Bevölkerung einzustellen, wie Geschäftsleiter Ludger Greulich berichtete: Nach Übertragung durch das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales im Jahr 2019 und umfangreichen Bauarbeiten wird die Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie zukünftig die akutpsychiatrische Notfallversorgung für den Altkreis Wittgenstein übernehmen; zudem ist der Ausbau eines tagesklinischen Angebotes ab 2026 geplant. „Wir wissen, dass diese Angebote gerade für die Betroffenen hier aus der Region und von den hiesigen Verantwortlichen in Politik, bei Behörden und im Sozial- und Gesundheitsbereich mit größter positiver Erwartung begleitet werden, worüber wir uns sehr freuen und unterstützt sehen“, so Greulich.
Sowohl Landrat Andreas Müller als auch Bürgermeister Bernd Fuhrmann unterstrichen im weiteren Verlauf die Bedeutung der Klinik für die gesamte Region. In einer Zeit, in der schnelles Urteilen immer mehr in den Fokus rücke, brauchte man Einrichtungen wie diese mit „ihrem ganzheitlichen Ansatz, mit viel Fachkompetenz und menschlicher Zuwendung auf Augenhöhe“, betonte Landrat Müller.
Ein wissenschaftliches Symposium mit interessanten Fachvorträgen, für das unter anderem Prof. Dr. Svenja Taubner (Universität Heidelberg) und Prof. Dr. med, Birgit Janssen (Ärztliche Direktorin LVR-Klinik Langenfeld) gewonnen werden konnten, füllte den Nachmittag, der mit einem festlichen Essen am Abend endete.
Lang ausruhen konnten sich die Akteure nicht, denn die Klinik Wittgenstein präsentierte sich am Sonntag bei einem Tag der offenen Tür. Überrascht waren alle über die große Resonanz der Bevölkerung: Viele Menschen fanden den Weg in die Klinik, um einmal hinter die Kulissen zu schauen. Die halbstündigen Führungen über das Gelände und den neuen Bau der Akutpsychiatrie waren immer ausgebucht, und in der Mehrzweckhalle fanden Vorträge und Podiumsdiskussionen statt. Ergo- und Bewegungstherapie präsentierten sich mit unterschiedlichen Angeboten – vor dem Hydrojet der Physikalischen Therapie bildeten sich lange Schlangen. Stefan, der Zauberer begeisterte mit seinen magischen Tricks, während die begehrten „Klinik-Waffeln“ reißenden Absatz fanden und die Gäste bei relativ stabilem Wetter auf der knallroten Mut-Mach-Bank Rast machen konnten.
Bildunterschrift: In der Mehrzweckhalle luden Stände der Klinik mit Angeboten, wie hier zum Beispiel dem MHFA Kurs Erste Hilfe für die Seele, zum Informieren ein.
(Foto: Klinik Wittgenstein | Stand: 07.09.2025, 08:00 Uhr)





