Dodenau. Mit den Hunden noch mal durch die Natur laufen, Fußball spielen, noch einmal an einem Tenniswettkampf teilnehmen, noch mal bei der Feuerwehr mitmachen, im Winter nach draußen gehen, oder die Treppen neben dem Haus ohne Schmerzen und Pausen laufen können. Das wäre der größte Traum von Evelyn Isgen aus Dodenau. Die 29-jährige Ergotheraputin leidet an einer unheilbaren, sehr seltenen Nervenerkrankung, die ihr das verwehrt. „Spastische Paraplegie“ lautete die Diagnose vor drei Jahren. Ihre Erkrankung, die umgangssprachlich auch als „Angeborene Querschnittlähmung“ bezeichnet wird, ist auf einen sehr seltenen Gendefekt zurückzuführen. „Die gibt es in einem Verhältnis von 1:50 Millionen. Deshalb wird diese Krankheit gar nicht weiter erforscht, weil sich das nicht lohnt. Ich habe weltweit nur eine einzige Patientin aus Amerika gefunden, die auch diese Erkrankung hat, um mich auszutauschen. Doch der Kontakt ist leider wieder eingeschlafen“, erklärt Evelyn Isgen. Fest an ihrer Seite steht Ehemann Dennis: Die Auffahrt zum Haus hat er neu gestaltet, damit Evelyn sie noch mit ihrem Automatikwagen befahren kann und mit Mühe und Not die Treppen zum Haus gehen kann. Ein Kupplung treten, oder von der Straße zum Haus zu laufen, ist der jungen Frau nicht mehr möglich. Auch das vor sechs Jahren erst gekaufte Haus muss das junge Paar wohl wieder verkaufen: Die Prognose für Evelyns Erkrankung ist niederschmetternd. In wenigen Jahren wird sie querschnittgelähmt und dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen sein. „Das ist so schlimm, daran zu denken, sein Zuhause abzugeben. Aber wir brauchen dann etwas ebenerdiges“, schildert Dennis Becker-Isgen. Besonders dankbar sind Evelyn und Dennis für die Unterstützung von Evelyns Arbeitgeber Vitos Haina. „Als Ergotherapeutin in der Forensik kann ich leider nicht mehr arbeiten. Es wurde extra eine Stelle geschaffen, die ich zum Großteil im Homeoffice betreuen kann. Mein Büro vor Ort befindet sich nicht mehr in der Forensik, sondern in einem separaten Gebäude“, erzählt Evelyn dankbar. „Ich kenne keinen anderen Arbeitgeber, der so etwas tun würde“, ist auch Dennis Becker-Isgen sehr dankbar für die Unterstützung.

Eine Heilung gibt es für Evelyn nicht. Dennoch gibt es etwas, was ihr große Linderung verschaffen würde. „Die Firma Ottobock aus Duderstadt hat einen speziellen Anzug entwickelt, der Muskeln stimuliert und so die Symptome sehr stark mindert“, berichtet Evelyn. Über eigene Recherchen ist sie auf den „Exo Pulse Mollii Suit“ aufmerksam geworden und konnte ihn auch bereits testen: „Ich konnte wieder beschwerdefrei Treppen laufen, hatte mein Gleichgewicht wieder und bin nicht mehr gestürzt. Da habe ich erst mal gemerkt, wie schlecht ich sonst laufe“, berichtet sie. Der Anzug muss nur etwa eine Stunde am Tag getragen werden, die Wirkung ist nachhaltig und dauert mehrere Tage an. Bei der Testung wurden Zeiten gemessen, Videos gedreht, Daten erhoben. „Ich konnte eine Strecke nach Tragen des Anzuges in der Hälfte der Zeit und ohne stolpern laufen, konnte Treppen steigen und habe wieder durchgeschlafen“, resümiert sie. Der Arzt bei der Testung stellte sofort ein Rezept für den Anzug aus. Doch die IKK Südwest, Evelyns Krankenkasse, übernimmt die Kosten von rund 12.000 Euro nicht. „Aus Sicht des Mediznischen Dienstes sind die sozialmedizinischen Voraussetzungen nicht erfüllt“, heißt es in einem Schreiben der Kasse, die auch den zweiten Widerspruch ablehnt, dazu. Evelyn und Dennis wollten einen Kredit aufnehmen und den Anzug so finanzieren. Unterdessen hat Evelyns Schwägerin eine Spendenaktion ins Leben gerufen, mit der sie der Frau ihres Bruders die Anschaffung des Anzuges auf privater Basis ermöglichen möchte. Zunächst war Evelyn skeptisch: „Ich fühle mich so schlecht dabei, ich hätte das lieber in Raten abbezahlt, oder mit der Bank finanziert“, erzählt Evelyn. Nach Gesprächen mit Dennis und seiner Schwester hat sie der Spendenaktion dann aber zugestimmt.

Um die Spendenaktion zu unterstützen, gibt es zwei Wege:
Über einen Link zur Spendenaktion: gofund.me/81b42ed9
Und über eine Überweisung an folgendes Konto: IBAN: DE79 5235 0005 0008 9424 43; BIC: HELADEF1KOR.
Bildunterschrift: Evelyn Isgen aus Dodenau leidet an einer sehr seltenen Nerven- und Muskelerkrankung und wird bald querschnittgelähmt sein. Ein spezieller Anzug der Firma Ottobock aus Duderstadt würde Abhilfe schaffen, wird aber von der Krankenkasse nicht bezahlt.
(Fotos: M.Böhl und Familie Becker-Isgen | Stand: 01.07.2025, 16:35 Uhr)





