Bad Laasphe. Es war der Tag vor einer Richtungsentscheidung. Die Bundestagswahl ist inzwischen vorbei. Doch noch am Tag davor wurde in Bad Laasphe auf dem Wilhelmsplatz für Vielfalt und Demokratie demonstriert. Und dort wurde gezeigt, dass Wittgenstein bunt und vielfältig ist, und nicht daran interessiert ist, das in näherer Zukunft zu ändern. Ab 14 Uhr versammelten sich zahlreiche Menschen vor dem Haus des Gastes in der Odebornstadt. Aufgerufen wurde dazu schon einige Zeit im Voraus von Samira Bosch und Teresa Jung, sowie von den drei Wittgensteinern Bürgermeistern Bernd Fuhrmann (Bad Berleburg), Dirk Terlinden (Bad Laasphe) und Henning Gronau (Erndtebrück). Dirk Terlinden betonte, dass es Zeit sei, wieder ein Verständnis zu schaffen, dass man Mehrheiten bilden und Kompromisse schließen muss. Denn “wir sind mehr!”. Auch Henning Gronau konnte sich dem anschließen: “Nur zusammen können wir diese Herausforderungen meistern. Extreme Haltungen haben in unserer Mitte keinen Platz.” Und auch Bernd Fuhrmann ergänzte seine Vorredner: Das Grundgesetz habe sich in den letzten 75 Jahren bewährt. Nun müsse man dafür eintreten und dafür sorgen, dass Wittgenstein bunt und tolerant bleibt. Dafür, dass der historische Blick auf die Folgen des Rechtsextremismus nicht verloren geht, sorgt in Bad Laasphe auch der Verein für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Dieser führt mit dem Projekt “Alte Synagoge” eindrucksvoll vor Augen, wohin Extreme und Rassenwahn führen können. Kerstin Grünert, Superintendentin des Kirchenkreises Wittgenstein erzählte, dass sich oft Menschen bei ihr meldeten, die meinten, Kirche müsse sich aus der Politik zurückhalten.

Zu den Rednern der Demo zählten unter anderem die drei Bürgermeister (v.l.) Bernd Fuhrmann (Bad Berleburg), Henning Gronau (Erndtebrück) und Dirk Terlinden (Bad Laasphe) sowie Jochen Menn (Freundeskreis christlich-jüdischer Zusammenarbeit) und Kerstin Grünert (Superintendentin Kirchenkreis SiWi).

Doch denen wusste sie zu entgegnen, dass es in der Bibel um Würde gehe. Denn Gott habe den Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen. Der Mensch würde sich also nur minimal von Gott unterscheiden – die Menschenwürde also eine Selbstverständlichkeit sei. Die Menschen sollten also Mut haben zu wählen, und die Gewählten den Mut, sich für die Würde einzusetzen. Einen beeindruckenden Einblick gewährte Renate Hahn von der Flüchtlingsinitiative. Denn alle 120 Menschen, die in 2015 in Bad Laasphe angekommen seien, konnten in Arbeit oder Ausbildung überführt werden. Dafür erntete sie tosenden Applaus. Abschließend richtete Moderator Fritz Hoffmann noch einige abschließende Worte an die Demonstrierenden. Man dürfe nicht zulassen, dass Angst, Hass und Intoleranz den Diskurs bestimmen. Seine klare Botschaft: “Die Freiheit der Menschen ist unverletzlich! Lasst uns unser kostbarstes Gut bewahren. Geht wählen!”. Zwischen den Wortbeiträgen wurde das Programm immer wieder von Liedern ergänzt. Sei es über die Anlage, oder gesungen. So schallte etwa das Lied „Die Gedanken sind frei” über den Wilhemsplatz. Über den Erfolg der Demonstration zeigten sich die Verantwortlichen begeistert. Bürgermeister Henning Gronau etwa fasste die Demonstration zusammen: “Es ist beeindruckend, wie viele Menschen heute hier waren. Ein großer Dank gilt natürlich den Initiatoren. Aus meiner Sicht war die Veranstaltung ein tolles Zeichen für ein offenes und tolerantes Wittgenstein, das für unsere Demokratie einsteht.”

Bildunterschrift: Zahlreiche Menschen versammelten sich auf dem Wilhelmsplatz in Bad Laasphe, um für Vielfalt und Toleranz einzustehen.

(Foto: Wipo | Stand: 27.02.2025, 08:00 Uhr)