Bad Berleburg. Der Löschzug 1 der Freiwilligen Feuerwehr Bad Berleburg feierte am vergangenen Donnerstag, 23. Januar, sein 150-jähriges Bestehen mit einem großen Festkommers. Im Jahre 1874 wurde die Freiwillige Feuerwehr Bad Berleburg auf Grund des verheerenden Großbrandes im Vorjahr gegründet. Am exakt gleichen Tag, 150 Jahre später, fand nun der Festkommers zum Jubiläum statt – ganz bewusst an einem Donnerstag, da an diesem Wochentag traditionell der reguläre Dienstabend des Löschzugs stattfindet.
Statt eines klassischen Festkommers war die Veranstaltung als eine Art „große Talkshow“ gestaltet. Sieben Gesprächsrunden mit einer geplanten Gesamtdauer von 112 Minuten boten den Gästen vielfältige Einblicke in die Welt der Feuerwehr. Uwe Haring führte als Moderator durch den Abend und sprach mit Gästen aus Politik, Wirtschaft, Vereinen sowie mit Vertretern der Feuerwehr und anderer Organisationen der „Blaulichtfamilie“. Die Themen der Gespräche waren breit gefächert und reichten von der Bedeutung der Feuerwehr und Kameradschaft über Visionen und Werte bis hin zu persönlichen Erlebnissen der Gesprächspartner.
In der ersten Gesprächsrunde mit Vertretern aus der Politik standen Landrat Andreas Müller, die 1. Stellvertretende Landrätin Ursula Belz, und der Bad Berleburger Bürgermeister Bernd Fuhrmann dem Moderator gegenüber. „Die Feuerwehr ist keine Freizeitbeschäftigung, sondern eine Hochverfügbarkeitsorganisation“, erklärte Müller und fügte hinzu: „Sie ist immer vor Ort, wenn sie gebraucht wird, und das komplett ehrenamtlich. Dafür gebührt ihnen unser größter Dank.“
Auch Ulla Belz würdigte die Bedeutung der Feuerwehr und brachte die Besonderheit dieses Ehrenamts auf den Punkt: „Feuerwehrleute rennen nicht, sie laufen. Rennen steht für Unsicherheit und Hektik, während Laufen zielgerichtet und besonnen ist – genau das macht Euch aus.“ Bürgermeister Fuhrmann schloss sich an und sagte: „Euer Einsatz ist unbezahlbar. Ihr seid eine unverzichtbare Stütze für unsere Gesellschaft.“ Er überreichte stellvertretend für die Stadt Bad Berleburg eine aus Holz gefertigte Jubiläumsuhr. Zudem überbrachte Landrat Müller eine Ehrenurkunde des Innenministers Herbert Reul.

Die Feuerwehr selbst zeigte an diesem Abend, wie sie sich als Organisation versteht. Matthias Limper, Leiter der Feuerwehr der Stadt Bad Berleburg, beschrieb die Feuerwehr als eine Art Unternehmen, das auf Transparenz, Motivation und Vertrauen aufbaut. Mit rund 800 ehrenamtlichen Mitgliedern sei sie zwar keine klassische Firma, funktioniere jedoch ähnlich strukturiert. Wichtig sei das „Wir“, das Gemeinschaftsgefühl, das alle eint. Gleichzeitig wurde auf Herausforderungen hingewiesen, wie etwa die Wahrnehmung der Feuerwehr in der Öffentlichkeit. Karl-Friedrich Müller, Leiter der Feuerwehr der Gemeinde Erndtebrück, merkte an, dass viele Menschen gar nicht wüssten, dass die Feuerwehr fast ausschließlich ehrenamtlich organisiert ist, und oft mit einer „Die kümmern sich schon“-Mentalität an kleine Angelegenheiten herangetreten werde. In Wittgenstein sei diese Haltung jedoch glücklicherweise weniger verbreitet, wie der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes Siegen-Wittgenstein, Rainald Thiemann, ergänzte.

Auch persönliche Geschichten kamen nicht zu kurz. Prinz Ludwig zu Sayn-Wittgenstein, Schirmherr des Jubiläums, erinnerte sich an den Schock beim Brand im Schloss im vergangenen Jahr, zeigte sich jedoch dankbar für die schnelle und professionelle Hilfe der Feuerwehr. Dirk Pöppel, Festredner beim 150. Jubiläum, berichtete von einem Brand in den Berleburger Schaumstoffwerken im Jahr 1963, der ihm die enorme Entwicklung im Brandschutz vor Augen führte. Heute sei man wesentlich besser ausgestattet, mit modernen Brandmelde- und Löschanlagen sowie geschultem Personal. Pöppel betonte, dass es für ihn selbstverständlich sei, seine Angestellten für Feuerwehreinsätze freizustellen.
Zum Abschluss standen die Einheitsführer Jens Schmitt sowie seine Stellvertreter Philipp Kloos und Lukas Brune auf der Bühne. „Wir haben bei den Planungen auf das letzte Jubiläum zurück geschaut und uns entschieden, dass wir das 150. Jubiläum etwas anders machen wollen.“, erklärte Lukas Brune. Demnach wurden zu Anfang der Planungen Mittels einer Umfrage alle Kameraden des Löschzuges 1 beteiligt. „Mit der Jubiläumsfeier möchte der Löschzug 1 nicht nur ein Fest für die Kameraden der Feuerwehr ausrichten, sondern ein Fest für die Bevölkerung.“, so Einheitsführer Jens Schmitt.

Der Festkommers endete mit dem traditionellen Leitspruch der Feuerwehr: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr.“
Nach dem erfolgreichen Auftakt im Jubiläumsjahr, der mit dem Weihnachtsmarkt im Dezember und dem Festkommers begann, stehen weitere Feierlichkeiten im Jubiläumsjahr auf dem Programm. Am 10. und 11. Mai wird eine große Jubiläumsfeier stattfinden und ein Benefizkonzert im Oktober mit dem Landespolizeiorchester NRW wird das Jubiläumsjahr schließlich abrunden.
Bildunterschrift: Am 23. Januar 1874 wurde die Freiwillige Feuerwehr Bad Berleburg gegründet. Ganau auf diesen Tag 150 Jahre später läutete der Löschzug 1 das Jubiläumsjahr ein: (v.l.) Phillip Kloos, Moderator Uwe Haring, Lukas Brune und Jens Schmitt.
(Fotos: wipo | Stand: 28.01.2025, 16:31 Uhr)





