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Archäologen begleiten Baumaßnahmen bei Raumländer Kirche


Raumland. (ch) „Die ganze Trasse ist voller Gräber." Archäologe Wolfram Wintzer vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL)  steht im gut einen Meter tiefen Graben, der die vier Gebäude auf dem Raumländer Kirchgelände verbindet und später Platz für eine Fernwärmeleitung bieten soll. Schritt für Schritt haben sich die Bagger der Firma Müsse vorgegraben.

Die Bauarbeiten werden mit größter Vorsicht durchgeführt. Schließlich stößt man bei der Installation der neuen Heizungsanlage zwangsläufig auf Gräber und Reste uralter Bebauung, die Teil des Bodendenkmals und der Raumländer Kirche sind. 

Wolfram Wintzer zeigt in der Trasse auf eine kaum erkennbare Verfärbung im Erdreich. Sie stammen von Gräbern, in denen sich teilweise noch dunkelbraun die vergangenen Reste der Särge abzeichnen. Knochenteile werden bei genauerem Hinsehen sichtbar.

Seit der Christianisierung zu Zeiten Karls des Großen wurden alle Toten nach dem gleichen Schema beerdigt. So wurden sie stets in geweihtem Boden, d.h. auf dem Kirchhof oder in der Kirche selbst, begraben. „Keine Grabbeigaben, oftmals waren die Hände gefaltet", erklärt Wolfram Wintzer. Die Toten wurden mit den Füßen in Richtung Osten, mit dem Kopf in Richtung Westen begraben. „Diese Art des Begräbnisses entspricht dem christlichen Ritus und war für das gesamte Mittelalter verbindlich", stellt Wolfram Wintzer klar. Nach der damaligen Vorstellung sollten die Toten am Tage des jüngsten Gerichtes nach Osten blickend auferstehen. Man glaubte damals daran, dass aus dem Osten das göttliche Licht käme und die Vergebung der Sünden verspräche.

Diese Begräbnisform findet sich auch in der Raumländer Kirche wieder. Dort wurden bei den Bauarbeiten unter anderem drei Kindergräber freigelegt. Diese und die weit über ein Dutzend freigelegten Gräber im Kirchhof wurden von den Archäologen „in situ" vorgefunden, dass heißt, die Befunde waren unangetastet. „Wir haben Stecknadeln und Knöpfe gefunden, was auf eine Bestattung im bekleideten Zustand bzw. im Leichentuch hinweist", erläutert Wolfram Winzer. Zudem seien geschmiedete Eisennägel von Holzsärgen gefunden worden.

Knochen kommen auch dort zum Vorschein, wo Fabian Huneke und Florian Westphal im Rahmen ihres studienvorbereitenden Praktikums Knochenfragmente aus dem Kirchenboden bergen und den Zustand des Bodens vor den anstehenden Arbeiten dokumentieren. „Wir haben uns zu diesem Praktikum entschlossen, weil wir wissen wollten, wo die Knochen herkommen, die wir später auf dem Tisch haben werden", erklärte Fabian Huneke. Doch hier wurden die Toten wohl umgebettet. „Beim Bau der jetzigen Kirche waren zwangsläufig ältere Gräber betroffen (die Kirche wurde um 1250 nach Christus errichtet, Anm. Red.)", konstatierte Wolfram Winzer.

In Bezug auf die Vorgängerkirche gibt es laut Wolfram Wintzer auch einen konkreten Verdacht, wo diese gelegen haben könnte: „Bei Renovierungsarbeiten in den 50er Jahren wurden Fundamentzüge gesichtet, die mit einem Abstand von 9 Metern parallel in Ost-West-Richtung verliefen."

Die Westwand der heutigen Kirche trennt nach Vermutungen des Archäologen den alten Chorraum vom Rest der alten Kirche ab, die wohl größtenteils außerhalb gelegen haben dürfte. „Chorraum-Fundamente des Vorgängerbaus müssten im westlichen Teil des heutigen Kirchenschiffs liegen", mutmaßt Wolfram Winzer.

Spannend könnte es noch einmal werden, wenn im Chorraum der bestehenden Kirche im Zuge der Heizungsinstallation der Boden geöffnet wird. „Hier soll ebenfalls ein Heizpunkt eingebaut werden", wusste Architekt Christian Rueff-Griependorf zu berichten. Es sei schon eine besondere Herausforderung. Man hofft bis Ende August die Bauarbeiten abgeschlossen zu haben. „Denn dann sollte hier eigentlich eine Hochzeit stattfinden", so Christian Rueff-Griependorf.

Für die Archäologen des LWL stehen jedenfalls noch zahlreiche Dokumentationen und Bergungen an. Wolfram Wintzer. „Wir bleiben jedenfalls noch mindestens eine Woche hier."

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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